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«Wer klug und nachhaltig baut, gewinnt»

«Wer klug und nachhaltig baut, gewinnt»
Karin Bührer
Lesezeit: 4 Minuten

 ESG-Richtlinien sind für die Immobilienbranche längst kein Nebenschauplatz mehr. Sie beeinflussen Planungs- und Baukosten erheblich und stellen die Akteure vor neue Herausforderungen. Karin Bührer, Geschäftsführerin Entwicklung Schweiz, erklärt, welche Investitionen nötig sind und wo langfristige Einsparpotenziale liegen. Gleichzeitig betont sie, dass ökologische, wirtschaftliche und soziale Aspekte stets gemeinsam betrachtet werden müssen.

Nachhaltigkeit in der Immobilienbranche ist nicht nur eine regulatorische Verpflichtung, sondern auch eine gesellschaftliche Verantwortung. «Unsere Aufgabe ist es, Wohn-, Arbeits- und Lebensräume für die Menschen bereitzustellen – das ist eine unglaublich schöne, aber auch verantwortungsvolle Aufgabe», erklärt Karin Bührer. ESG steht für Environmental, Social and Governance – drei Bereiche, die in der Immobilienentwicklung untrennbar miteinander verbunden sind. «Immobilien bestimmen unsere Gesellschaft massgeblich mit. Ein Dach über dem Kopf ist ein Grundbedürfnis, und wie wir wohnen und arbeiten, beeinflusst den Umgang mit Ressourcen, die soziale Kohäsion und die Entwicklung von Unternehmen.»

Veränderungen in der Wertschöpfungskette

Die neuen ESG-Anforderungen bringen für alle Akteure in der Wertschöpfungskette Veränderungen mit sich. Architekten, Planer, Bauherren und Betreiber müssen ihre Prozesse anpassen und stärker zusammenarbeiten. «Diese enge Abstimmung praktizieren wir bereits seit Langem – jeder muss seinen Beitrag leisten», so Bührer. Besonders die Wahl nachhaltiger Baumaterialien steht im Fokus. «Innovative Bauprodukte helfen, Ressourcen zu schonen und Material effizienter zu nutzen.» Dabei sei es wichtig, nicht nur ökologische Nachhaltigkeit zu betrachten, sondern auch wirtschaftliche Tragbarkeit und soziale Aspekte mit einzubeziehen.

Ein wichtiger Faktor ist zudem die Wiederverwendbarkeit von Baustoffen. «Kreislauffähige Materialien gewinnen zunehmend an Bedeutung», erklärt Bührer. In vielen Projekten werden mittlerweile Recycling-Baustoffe verwendet, um den CO₂-Fussabdruck zu minimieren. Auch modulare Bauweisen bieten Potenzial für nachhaltigere Lösungen, da sie Umbauten und Wiederverwertungen erleichtern. Allerdings bedeutet die Umstellung auf solche Konzepte oft höhere Planungsaufwände und Kosten für Bauherren, da neue Genehmigungs- und Prüfverfahren erforderlich sind.

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«Energetische Sanierungen sind eine langfristige Investition.»

Steigende Baukosten als Herausforderung

Eine der grössten Herausforderungen sind die steigenden Baukosten. Die Einhaltung von ESG-Standards erfordert zusätzliche Investitionen – von der Planung über den Bau bis zum Betrieb – aber sichert auch langfristig bessere Renditen. «Die Aufwendungen sind gestiegen, doch langfristig können Einsparungen erzielt werden», erklärt Bührer. Gerade im Bereich Energie zeigt sich dieser Effekt besonders deutlich. «Energetische Sanierungen rechnen sich langfristig, sowohl bei den Betriebskosten wie auch als bessere Rendite. Das kommt schliesslich den Investoren aber auch den Nutzern zu Gute.»

Neben den Energieeinsparungen sind auch die Wartungskosten ein wichtiger Faktor. «Nachhaltige Gebäude benötigen oft weniger Instandhaltung, da hochwertige Materialien und intelligente Systeme ihre Lebensdauer verlängern», ergänzt sie. Zudem tragen smarte Gebäudeautomation und IoT-Technologien dazu bei, den Energieverbrauch effizient zu steuern und unnötige Kosten zu vermeiden. Gleichzeitig erfordern diese Technologien in der Planungsphase jedoch höhere Investitionen und eine umfassendere technische Abstimmung.

Der neue RTAG-Hauptsitz in Altstätten.
Der neue RTAG-Hauptsitz in Altstätten.

Zertifizierungen und Investorenperspektive

Zertifizierungen wie Minergie oder LEED sind in vielen ESG-konformen Projekten mittlerweile Standard. Laut Bührer sind die entsprechenden Prozesse gut etabliert und nahtlos in den Bauablauf integriert. Dennoch seien die Kosten zu Beginn höher als früher, auch wenn sie im Betrieb durch Einsparungen teilweise kompensiert werden. «ESG gehört heute zu den Standardanforderungen.» Unternehmen und Investoren müssten sich an gesetzliche Vorgaben halten und hätten gelernt, damit umzugehen. Ausserdem fördern die Vorgaben innovative Lösungen in allen Bereichen der Wertschöpfungskette – es entstehen neue Lösungen und Unternehmen, das ist wichtig für die Zukunft der Branche und unseres Gebäude und Infrastrukturparks.

Bei ESG geht es jedoch nicht nur um Umweltaspekte. «Die soziale Dimension von ESG rückt ebenfalls immer mehr in den Fokus», so Bührer. Flexible Arbeits- und Wohnkonzepte, Aussen- und Innenräume, die Begegnungen und Integration fördern sowie barrierefreie Gestaltung werden zunehmend wichtiger. Immobilienentwickler müssen darauf achten, dass ihre Projekte den Bedürfnissen einer vielfältigen Gesellschaft gerecht werden und die aktuellen Trends und Entwicklungen aufnehmen.

Für Investoren bedeutet dies jedoch auch, dass nachhaltige Immobilienprojekte anfangs mit höheren Finanzierungsvolumina verbunden sind, was sich meist erst langfristig durch stabile Mieterträge und geringere Betriebskosten amortisieren kann. Wichtig ist aber zu berücksichtigen, dass wir mit dem direktdemokratischen System Projekte gar nicht mehr realisieren können, wenn diese nicht den Bedürfnissen einer modernen Gesellschaft entsprechen – Einsprachen oder Abstimmungsschlappen stoppen in dem Fall frühzeitig, was die Kosten und Unsicherheiten massiv erhöhen kann.

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«Nachhaltige Bauprodukte helfen, Ressourcen effizient zu nutzen.»

Technologische Innovationen und Effizienzsteigerung

Der technologische Fortschritt spielt eine zentrale Rolle bei der Umsetzung von ESG-Standards. Bührer sieht insbesondere im Bereich Baustoffe grosse Fortschritte. «Beton kann heute mit viel weniger CO₂ hergestellt werden.» Ein weiterer Erfolgsfaktor seien neue partnerschaftliche Modelle, bei denen alle Beteiligten frühzeitig in die Planung einbezogen werden. «Frühzeitige Kooperationen ermöglichen effizientere Lösungen.»

Auch digitale Planungsmethoden wie Building Information Modeling (BIM) helfen, Prozesse zu optimieren. «Durch den gezielten Einsatz von BIM können Ressourcen effizienter genutzt und Planungsfehler minimiert werden», betont sie. Smarte Sensorik und datenbasierte Analysen tragen zusätzlich dazu bei, den Betrieb nachhaltiger und kosteneffizienter zu gestalten. Die Implementierung solcher Technologien erfordert jedoch ebenfalls höhere Anfangsinvestitionen und umfassendere technische Qualifikationen in der Bau- und Planungsphase.

Regulierung mit Augenmass

Regulierungen treiben die Branche an, erfordern jedoch eine ausgewogene Strategie. «Zu viele Vorschriften bremsen Innovationen», betont Bührer. Gleichzeitig sei klar, dass ESG auch in Zukunft eine zentrale Rolle spielen werde. «Die ökologischen Richtlinien kommen jetzt erst richtig zum Tragen, und wir müssen Lösungen entwickeln, die sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich tragfähig sind.»

Angesichts der steigenden Anforderungen betont Bührer, wie wichtig der Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ist. «Nachhaltigkeit kann nur gelingen, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen», sagt sie. Ausserdem muss Nachhaltigkeit ein Business Case sein ist sie überzeugt, nur dann ist ESG langfristig ein sinnvolles Konzept und erfolgsversprechend. Um langfristige Erfolge zu erzielen, müsse eine enge Zusammenarbeit zwischen Entwicklern, Bauunternehmen und Gesetzgebern sichergestellt werden. Die aktuellen Regulierungen erfordern jedoch häufig mehr administrative Prozesse, was Planungs- und Baukosten weiter erhöht.

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