Künstliche Intelligenz nach dem Hype: Chancen und Herausforderungen für KMU
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Text: PD/stz.
KI ist kein vorübergehender Trend, sondern eine grundlegende Technologie mit dem Potenzial, die Gesellschaft nachhaltig zu verändern. Guido Schuster, Professor an der OST – Ostschweizer Fachhochschule und Direktor des Interdisciplinary Center for Artificial Intelligence (ICAI), betonte: «KI ist längst Bestandteil unseres Alltags. Fortschritte in maschinellem Lernen, neuronalen Netzen und Datenanalyse treiben die Entwicklung weiter voran und ermöglichen immer präzisere Anwendungen.»
Als Beispiel für erfolgreiche KI-Anwendungen nannte Schuster moderne EKG-Messgeräte, die Herzsignale ohne ärztliche Unterstützung interpretieren können, die Überwachung der Turbinenlager von Windkraftanlagen oder die Auswertung von Kamerabildern auf den Schweizer Autobahnstrassen.
Herausforderungen für KMU
Gerade kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stünden vor besonderen Herausforderungen. «Vielen fehlen die notwendigen Grundlagen wie eine belastbare Datenbasis oder die erforderlichen Fachkenntnisse», erklärte Karl Neumüller, Dozent für Strategisches Management an der OST, in seinem Referat am Unternehmensspiegel. Pilotprojekte könnten den Einstieg erleichtern und die Zusammenarbeit mit Technologiepartnern wertvolle Unterstützung bieten.
Um KMU den Zugang zu KI zu erleichtern, biete das Innovationsnetzwerk Ostschweiz (INOS) Unterstützung bei der Umsetzung von Innovationsvorhaben. Die OST ist zentrale Anlaufstelle für Unternehmen aus den Kantonen St.Gallen, Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden.
KI als Chance zur Entlastung von Mitarbeitern
Im zweiten Teil des Unternehmensspiegels berichteten Praktiker von den Erfahrungen mit KI. Balz Zürrer, CEO der Online Consulting AG aus Wil, berät Unternehmen. «Vor allem die älteren Mitarbeiter müssen KI noch lernen, Studienabgänger bringen bereits viel Wissen mit», sagte der studierte Elektroingenieur. Als Praxisbeispiele nannte er das Thurgauer Nähmaschinenunternehmen Bernina, das ein KI-Tool für Servicetechniker entwickelte oder ein kleines Treuhandbüro, das generative KI für die strategische Verwaltung einsetze.
Niklas Tidbury, Leiter Business Innovation beim Sportbekleider zubi, berichtete von einer Anwendung, die personalisierte Kaufvorschläge im Onlinehandel mache und von einem Vorhersagetool für den Umsatz in den Geschäften, das auch Wetterdaten berücksichtige. «Vor allem im Marketing sind KI-Anwendungen bei der Raiffeisenbank im Einsatz», sagte Stefan Jeker, Leiter der Abteilung Innovationsmanagement von Raiffeisen Schweiz. So werde beispielsweise ein Erklärvideo in drei Sprachen synchron von der KI gesprochen. Aber auch bei der Liegenschaftenbewertung setze man bei Raiffeisen auf KI.
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«Wir stehen erst ganz am Anfang»
In der abschliessenden Podiumsrunde unter Leitung von Andreas Löhrer, Professor am Kompetenzzentrum Accounting und Corporate Finance, IFL Institut für Finance und Law, zeigten sich die Referenten überzeugt, dass KI für KMU insbesondere im Bereich der Automatisierung von Routineaufgaben erhebliche Potenziale biete.
Ob in der Kundenkommunikation durch Chatbots, in der IT-Sicherheit zur frühzeitigen Erkennung von Bedrohungen oder im Marketing zur gezielten Analyse von Kundendaten – KI könne Arbeitsabläufe effizienter gestalten und Mitarbeiter entlasten. «Wir stehen erst ganz am Anfang des Hypes. Es geht noch steil bergauf, wie sind eben erst gestartet», blickte OST-Professor Guido Schuster in die Zukunft.