Ostschweiz

Innovation braucht Offenheit und Mut

Innovation braucht Offenheit und Mut
Alexandra Cloots
Lesezeit: 2 Minuten

Die Gemeinde der Zukunft ist nachhaltig, innovativ, vernetzt und strebt eine hohe Lebensqualität an. Gemeindemitarbeiter stehen in engem Kontakt mit den Bürgern, dennoch profitieren auch sie von Homeoffice und anderen modernen, digitalen Arbeitsformen. Diese Einschätzung teilen die 40 Teilnehmer der 12. Ostschweizer Gemeindetagung der OST am 13. März 2025 im «Collektiv» St.Gallen.

Text: Michael Breu

Die Palette der Referate an der Tagung war so bunt und vielfältig wie das Aufgabenfeld einer Gemeindeverwaltung. Ein zentrales Thema war der Fachkräftemangel. «Bis 2030 werden in der Schweiz 130'000 Fachkräfte im öffentlichen Sektor fehlen», zitierte Kathrin Kölbl, Leiterin Account- und Service-Management beim Softwareentwickler Abraxas, aus einer aktuellen Studie von PricewaterhouseCoopers. Besonders kleinere Gemeinden seien stark von dieser Herausforderung betroffen.

Um Gemeindemitarbeiter weiterhin nah an den Menschen zu halten, seien neue Arbeitsformen entscheidend. «Flexible Arbeitsmodelle, Homeoffice und Jahresarbeitszeit machen Gemeinden als Arbeitgeber attraktiver», betonte Kölbl an der vom OZG Zentrum für Gemeinden veranstalteten Tagung. Das OZG ist Teil des IGD Instituts für Gender & Diversity der OST.

Flexibilität umfasst auch neue Führungsformen. Umfragen zeigen, dass 96 Prozent der Befragten Jobsharing als umsetzbar erachten, und 71 Prozent sehen auch Topsharing, also das Teilen von Führungspositionen, als realistische Option. Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung war die Digitalisierung. Und Sonja Angehrn vom ICAI Institut für künstliche Intelligenz der OST ging zusammen mit Sara Juen vom IGD der Frage nach, ob künstliche Intelligenz fair sein kann.

Kathrin Kölbl
Kathrin Kölbl

KI mit Augenmass

«Eine digital-agile Gemeinde mit einer sinnstiftenden und guten Arbeitssituation für die Mitarbeiter muss das Ziel sein», unterstrich Sibylle Minder, Leiterin der Fachabteilung Interdisziplinäre Querschnittsthemen an der OST. Technologie solle dabei unterstützend, aber mit Augenmass eingesetzt werden. Sie wies zudem auf die Notwendigkeit hin, rechtliche und ethische Fragen im Umgang mit künstlicher Intelligenz zu klären.

Leila Hauri, Geschäftsleiterin der REGIO Appenzell AR-St.Gallen-Bodensee, definierte die Gemeinde der Zukunft als nachhaltig, innovativ und vernetzt. Als Schlüsselfaktor sieht sie die regionale Zusammenarbeit. Wie eine solche Kooperation konkret aussehen kann, zeigten verschiedene Workshops. Beispielsweise entwickelt die Stadt St.Gallen aktuell mit einem «Open Data Hack» eine Visualisierung der Wassertemperatur und -qualität der Drei Weieren. Weitere Projekte sind die Berechnung des Entsiegelungspotenzials sowie die Optimierung der Sperrgutentsorgung, die aus einem «Innovation Camp» hervorging.

Lineo Devecchi, Projektleiter am OZG Zentrum für Gemeinden der OST, nannte als Beispiele das Generationenprojekt zur Nachhaltigkeitsstrategie der Gemeinde Vaduz, das «Zukunftskafi» in Schafisheim (AG) oder das Entwicklungsprojekt «Mörschwil 2030».

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Sibylle Minder
Sibylle Minder

Kooperation als Schlüssel

Den Teilnehmern wurde jedoch schnell klar, dass sich die Gemeinde der Zukunft nicht ohne Hürden umsetzen lässt. Sandro Parissenti, ehemaliger Gemeindepräsident von Berg (SG) und heutiger Programmmanager Transformation des Kantons St.Gallen, zeigte die Herausforderungen bei der Umsetzung der digitalen Verwaltung auf. Zudem seien neue Narrative für ein nachhaltiges Zusammenwirtschaften erforderlich, wie Remo Rusca von Smartidentity betonte.

Zum Abschluss fasste Alexandra Cloots, Institutsleiterin Gender und Diversity sowie Leiterin des HR-Panels New Work an der OST, die wichtigsten Erkenntnisse in drei Kernpunkten zusammen: «Kooperation ist der Schlüssel zur Gemeinde der Zukunft; Technologie kann unterstützen, ersetzt aber nicht die Gemeindemitarbeiter; Innovation braucht Offenheit und Mut.»

Lineo Devecchi
Lineo Devecchi

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