Wirtschaft

Wie Venture Kick Start-ups auf Erfolgskurs bringt

Wie Venture Kick Start-ups auf Erfolgskurs bringt
Beat Schillig
Lesezeit: 4 Minuten

Die St.Galler Initiative Venture Kick unterstützt Start-ups mit Kapital, Coaching und Kontakten. Seit 2007 wurden 1146 Projekte mit 90 Millionen Franken gefördert, die Folgeinvestitionen haben 2024 erstmals über neun Milliarden Franken betragen. Doch nach welchen Kriterien werden Start-ups ausgewählt? Und wie hat sich ihr Typus verändert? Venture-Kick-Co-Geschäftsführer Beat Schillig, Gründer und Präsident von IFJ und Venturelab, gibt Einblick in die Prozesse hinter der Initiative.

2024 hat Venture Kick 880 Gesuche geprüft und 6,7 Millionen Franken in 97 neue Start-up-Projekte investiert. Die Zahl der Gesuche ist im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent gestiegen und deckt eine breite Palette von Hightech-Bereichen ab: ICT, Biotech, Medtech, Cleantech, Elektronik, Materialien und Nanotechnologien.

«Gründer können über eine Million Franken Kapital plus Coaching gewinnen.»

Geld, Beratung, Vernetzung

Venture Kick kombiniert Finanzierung mit gezieltem Coaching und einem internationalen Investoren-Netzwerk. «Durch unser Drei-Phasen-Programm erhalten Gründer bis zu 150’000 Franken Startkapital. Wer erfolgreich abschneidet, kann sich zusätzlich für bis zu 850’000 Franken vom Kickfund und 150’000 Franken vom InnoBooster qualifizieren», sagt Beat Schillig.

Besonders wertvoll sind jedoch nicht nur die finanziellen Mittel, sondern auch die strategische Beratung und die internationale Vernetzung. «Wir sind zu einem vertrauenswürdigen «Label» geworden, welches Gründer mit den richtigen Investoren zusammenbringt und ihnen die Sichtbarkeit am Markt verschafft, die sie für ihren Erfolg benötigen», so Schillig.

Klare Auswahlkriterien für die Förderung

Die Auswahlkriterien für die Förderung sind klar definiert: Entscheidend sind Innovationskraft, Marktpotenzial und die Umsetzbarkeit des Geschäftsmodells. «Ein starkes Team ist essenziell. Wir suchen Gründer, die ihre Vision langfristig umsetzen und nicht nur Trends folgen», betont Schillig. Skalierbarkeit, Finanzierungsstrategie und erste Marktbelege wie Pilotkunden oder Patente spielen ebenfalls eine zentrale Rolle.

«Unsere Hauptaufgabe ist es, die Spitzenforschung und all die Patente, die an Schweizer Hochschulen entstehen, in Arbeitsplätze und wirtschaftlich tragfähige Lösungen für die grössten Herausforderungen unserer Gesellschaft umzuwandeln», sagt Beat Schillig.

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Wandel in der Start-up-Landschaft

Über die Jahre hat sich die Art der geförderten Start-ups verändert. Während früher ein breiter Branchenmix dominierte, stehen heute Deep Tech, Life Sciences und Künstliche Intelligenz im Fokus.

«Rund die Hälfte der Start-ups kommt inzwischen aus dem Life-Sciences-Bereich, Cleantech macht etwa 20 Prozent aus», so Schillig. Automatisierung, Quantencomputing und Biotechnologie treiben diese Entwicklung zusätzlich an.

Steigende Nachfrage und zunehmender Wettbewerb

Die Nachfrage nach Venture Kick wächst stetig: 2024 gab es mit 880 Bewerbungen einen Anstieg von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Innovationskraft von Schweizer Universitäten und Forschungseinrichtungen ist erstaunlich und bringt immer wieder überraschende technologische Durchbrüche hervor, welche ein gutes Kommerzialisierungspotenzial bergen. «Die Zahl der Bewerbungen steigt schneller als unsere Kapazitäten, was den Wettbewerb verschärft», sagt Beat Schillig.

Dass der Auswahlprozess funktioniert, zeigen zahlreiche Erfolgsgeschichten: BioVersys, ein ehemaliges Venture-Kick-Start-up, hat es 2025 an die Schweizer Börse geschafft und über 130 Millionen Franken Kapital eingesammelt. Weitere Alumni wie Climeworks, Mindmaze, Scandit oder Kandou zählen mittlerweile zu den Unicorns, also Start-ups, die einen Unternehmenswert von über einer Milliarde aufweisen. «Unser Ziel ist es, die vielversprechendsten Innovationen frühzeitig zu erkennen und auf den globalen Markt vorzubereiten», so Schillig.

Venturelab begleitet seine Start-ups zudem über das Finanzierungsprogramm hinaus mit internationalen Programmen wie Venture Leaders und Investor-Roadshows in Städten wie Boston, Silicon Valley und München, um ihnen den Marktzugang zu erleichtern.

Zukunftspläne und Chancen für die Ostschweiz

2025 will Venture Kick seine Unterstützung um 25 Prozent erhöhen; bis 2033 plant die Initiative, 3000 wissenschaftsbasierte Start-ups zu fördern und 100’000 Arbeitsplätze zu schaffen. «Diese Expansion macht Venture Kick noch wettbewerbsintensiver, aber auch noch wertvoller für ambitionierte Gründer», sagt Beat Schillig.

Auch Start-ups aus der Ostschweiz sind eingeladen, sich für das Programm zu bewerben und von der einzigartigen Kombination aus Finanzierung, Coaching und Vernetzung zu profitieren.

Text: Patrick Stämpfli

Bild: zVg

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