St.Gallen

Rekordstart ins Gründungsjahr: 13'983 neue Firmen im ersten Quartal

Rekordstart ins Gründungsjahr: 13'983 neue Firmen im ersten Quartal
Insgesamt wurden 753 qualitative Interviews mit Neugründern aus der ganzen Schweiz geführt, welche in den letzten 24 Monaten ihre Firma gegründet haben
Lesezeit: 3 Minuten

Weshalb wagen Unternehmer in der Schweiz den Schritt in die Selbständigkeit? Auf diese und weitere Fragen gibt die empirische Studie «Gründermarkt Schweiz 2024» von PostFinance und dem IFJ Institut für Jungunternehmen aus St.Gallen Antworten. Ergänzt wird die Studie durch die tagesaktuelle IFJ-Analyse der Schweizer Firmengründungen im ersten Quartal 2025. Die Ostschweiz glänzt dabei nicht.

Text: PD/stz.

Dass das Thema Unternehmertum in der Schweiz einen wichtigen Stellenwert einnimmt, zeigen die tagesaktuellen Ergebnisse der IFJ-Studie «Nationale Analyse Schweizer Firmengründungen Q1 2025». Im ersten Quartal wurden 13'983 Neugründungen im Handelsregister eingetragen – eine Zunahme von +3.9 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode und ein neues Allzeithoch.

Die Auswertung der Neugründungen vom 1. Januar bis zum 31. März 2025 unterstreicht: Immer mehr Menschen wagen den Schritt in die Selbständigkeit. Im Vergleich zu den Vorjahren verzeichnen die Schweizer Gründungszahlen ein neues Rekordniveau. Der Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit ist gross und einer der Hauptgründe, weshalb Unternehmer in der Schweiz eigene Firmen gründen.

Rund 70 Prozent aller Neueintragungen ins Handelsregister sind effektive Neugründungen im Sinne von neuen Geschäftstätigkeiten. Ein Fünftel führt mit einer neuen Firma ein bestehendes Geschäft weiter. Jeweils rund 5 Prozent werden aus steuerlichen Gründen gegründet oder entstehen als Spin-offs aus bestehenden Unternehmen.

Gründungsmotive: Freiheit, Verwirklichung, Kompetenz

Die Befragung zeigt: So unterschiedlich die Gründer auch sind – in einem Punkt herrscht Einigkeit. Ganze 40 Prozent nannten den Wunsch nach mehr Freiheit und Unabhängigkeit als Hauptgrund für den Schritt in die Selbständigkeit. 31 Prozent streben nach Selbstverwirklichung, 28 Prozent wollen ihre eigenen Kompetenzen stärker einbringen.

Fast drei Viertel der Schweizer Gründer entscheiden sich innerhalb eines Jahres nach der ersten Idee zur Firmengründung, bei knapp einem Viertel geschieht dies sogar innerhalb von drei Monaten. Herausforderungen wie die Auftragslage oder administrative Hürden sind vor der Gründung präsent, werden jedoch nach erfolgtem Start als weniger belastend wahrgenommen. Nur 10 Prozent empfanden das Schreiben eines Businessplans als sehr herausfordernd. Zwei Drittel hatten keine Mühe bei der Wahl der passenden Rechtsform. Auch beim Thema Kapitalbedarf fühlten sich viele gut vorbereitet.

Nach der Gründung verschieben sich die Sorgen: Sichtbarkeit und Kundengewinnung rücken in den Fokus. Erfreulich ist: Während vor der Gründung nur 17 Prozent sorglos waren, steigt dieser Wert nach dem Start auf 39 Prozent. Das IFJ unterstützt gemeinsam mit Partnern gezielt vor, während und nach der Gründung.

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Firmengründungen nach Regionen und Kantonen

Im Vergleich zur Vorjahresperiode entwickelten sich die Gründungszahlen regional unterschiedlich. Deutliches Wachstum verzeichneten die Zentralschweiz (+15.7 %), die Südwestschweiz (+11.0 %), Zürich (+3.7 %) und die Nordwestschweiz (+2.2 %). Rückgänge zeigten sich hingegen im Espace Mittelland (–2.7 %), in der Ostschweiz (–4.9 %) und im Tessin (–7.5 %).

14 Kantone verzeichneten steigende Gründungszahlen, allen voran: Appenzell I. Rh. (+44.8 %), Obwalden (+40.9 %), Nidwalden (+32.4 %), Schaffhausen (+28.3 %), Zug (+21.2 %), Genf (+19.2 %), Basel-Landschaft (+17.4 %), Schwyz (+17.2 %) und Luzern (+7.6 %).

Rückgänge zeigten sich in Bern (–3.4 %), Aargau (–3.6 %), Graubünden (–3.7 %), Fribourg (–3.9 %), Neuchâtel (–6.3 %), St. Gallen (–7.1 %), Tessin (–7.5 %), Appenzell A. Rh. (–9.6 %) und Thurgau (–9.7 %). Deutlich negativ entwickelten sich Jura (–11.2 %), Glarus (–18.8 %) und Uri (–27.9 %).

Rechtsformen: AG auf dem Vormarsch

Die Aktiengesellschaft (AG) verzeichnete im ersten Quartal das stärkste Wachstum (+15.1 %), gefolgt von der GmbH (+4.3 %). Einzelfirmen (–0.8 %) und Kollektivgesellschaften (–15.6 %) lagen unter dem Vorjahresniveau.

Der 5-Jahresdurchschnitt liegt bei 13'379 Neugründungen pro Q1 – mit 13'983 im Q1 2025 liegt der aktuelle Wert rund +4.5 Prozent darüber. Das entspricht im Schnitt 155 neuen Firmen pro Tag.

Schweiz bleibt gründerfreundlich

Die Gründungsszene in der Schweiz bleibt auch 2025 dynamisch, widerstandsfähig und innovationsfreudig. Die Studie zeigt: Persönliche Motive wie Selbstverwirklichung und Eigenverantwortung überwiegen gegenüber finanziellen Zielen. Viele starten bewusst «Teilzeit-selbständig» – unterstützt durch flexible Arbeitsmodelle und gute technische Voraussetzungen.

Mit einer stabilen Wirtschaft, aktiven Investoren, engagierten Institutionen und einem kreativen Unternehmergeist bleibt die Schweiz ein idealer Standort für neue Geschäftsmodelle. Es bleibt spannend, ob der Gründungsrekord aus dem Jahr 2024 übertroffen wird.

postfinance.ch/de/blog

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